Politik - seit 53 Jahren politisch engagiert in der CDU

Bernd Riedle war in einer politischen Familie aufgewachsen: Seine Eltern hatten Hitlers „Mein Kampf“ gelesen und die Folgen geahnt. Die Familie lebte in Ulm. Die Stadt war bis 1945 weitgehend zerbombt worden. Der Vater der Geschwister Scholl, Robert Scholl, war seit 1945 Oberbürgermeister in Ulm. Er berief damals den Vater von Riedle zum ersten Leiter des Aufbauamts in Ulm.
Bernd Riedle war am Humboldt-Gymnasium in Ulm kein guter Schüler. Trotzdem wurde er zum Klassensprecher, später zum Schulsprecher gewählt. Daneben gründete er die Schülerzeitung „Hopp-Gym“ – zuerst nur für das eigene Gymnasium, dann auch für das Mädchengymnasium. In dem „Politischen Arbeitskreis der Oberschulen“ war er Mitglied: Der Kreis war gegründet worden von Heinrich August Winkler, einem Mitschüler und vor allem dem Neffen des Abgeordneten des Bundestags und späteren Bundeskanzler Prof. Ludwig Erhard. H. A. Winkler, heute bekannter Professor für Neue Geschichte, bekam schon damals das Entree zu vielen Abgeordneten und Ministern aller Parteien. Selbst Bundespräsident Lübke nahm seine Einladung nach Ulm an. Im meist kleinen Kreis der Schüler konnte bei direkten Gesprächen die Scheu vor der Prominenz abgebaut werden.
Nach dem Abitur trat Riedle 1962 in die CDU-Ulm ein. Heute - 2015 – ist er seit 53 Jahre Mitglied der CDU. In all den Jahren war er den Zielen der CDU und damit nicht zuerst der Partei, sondern allen Bürgern verpflichtet. Das ist heute atypisch, aber für Riedle und für viele seiner Bekannten war es damals selbstverständlich. Nach dem Beginn des Studiums der Betriebswirtschaft in Tübingen wurde er 1962 dort zum Vorsitzenden des Rings-Christlich-Demokratischer Studenten gewählt. 1963 wechselte er an die Universität in München. Dort gehörte er zum Vorstand des RCDS Bayern.

Anfang Mai 1963 tagte dessen Delegiertenversammlung in Regensburg. Gast war Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, CSU. Damals stand Minister Strauß wegen der SPIEGEL-Affäre im Kreuzfeuer der Kritik. Riedle selbst hatte Strauß Wochen zuvor in einer Veranstaltung vor Münchner Studenten gegen Angriffe verteidigt – MdB Erler (SPD) war sein Kontrahent auf dem Podium gewesen. Später wurde bekannt, dass die Fehler von F. J. Strauß als Minister so groß waren, dass er nicht mehr zu verteidigen war. Deshalb fragte Riedle Minister Strauß in Regensburg als Erster nach dem Wahrheitsgehalt seiner bisherigen Erklärungen. Strauß kanzelte Riedle laut dem Bericht im SPIEGEL (29/63) burschikos ab - wie auch alle anderen Studenten: Er - Strauß - habe im Bundestag die Wahrheit gesagt.
1968 war Riedle zu Dethleffs nach Isny gekommen. Um 1977 wurde er zum Ehrenamtlichen Richter am Verwaltungsgericht Sigmaringen berufen. Durch seinem Umzug zu Tabbert nach Bad Kissingen musste er das Ehrenamt niederlegen. Erst 1991 – nach seinem Abschied von der CMC – konnte er sich politisch wieder voll einsetzen: er nahm 1991 die Wahl zum Vorsitzenden der CDU Ortsverband Isny an. Damals wurde in Isny sehr strittig diskutiert: Soll die mitten durch die Altstadt von Isny führende B 12 zum Vorteil der Händler beibehalten werden oder nützt eine Umgehungsstraße allen Bürgern von Isny mehr?

Rudolf Köberle
Minister a.D., MdL

Riedle befürwortete den Bau. Sein Onkel, Fritz Lämmert in Tübingen, Baumeister beim Regierungs-präsidium Tübingen, hatte schon viele Jahre vorher in Isny für die Umgehungsstraße geworben. Riedles Eintreten für das Projekt wurde bei der Gemeinderatswahl – 1991 - heftig kritisiert. Er wurde als letzter auf der CDU-Liste in den Gemeinderat gewählt. Dank der Unterstützung durch S.D. Paul Fürst von Quadt, konnten in Laufe vieler Jahre zahlreiche Gespräche mit den Entscheidungsträgern in Land und Bund von Riedle persönlich geführt werden: so mit Landrat G. Blaser, Staatssekretär J. Dreier (MdL), Minister R. Köberle (MdL), Ministerpräsident L. Späth (MdL), Bundesverkehrsminister M. Wissmann (MdB) und Bundeskanzler H. Kohl (MdB). Unser Ziel, die Isnyer Altstadt durch die Umgehungsstraße vom Verkehr zu entlaste, wurde zuerst nicht verstanden. Hatte sich die Partei GRÜNE aus Isny doch zuvor lautstark und erfolgreich gegen den Bau der Autobahn nahe Isny durchgesetzt. Deshalb fehlte das Verständnis – zuerst hatte Isny die Entlastung von Isny durch die nahe Autobahn abgelehnt, später forderte die CDU von Isny die eigene Umgehungsstraße mit teurem Tunnel!

Am 30. September 1994 wurde der Regionalplan Bodensee-Oberschwaben mit der Umgehungsstrasse B 12 Isny genehmigt. Von 2006 bis 2008 wurde sie in Isny für 32 Mio. € gebaut. Die Einweihung im Juli 2009 war ein großer Erfolg für Isny, für die CDU und für Riedle – auch wenn er zur Einweihung gar nicht eingeladen worden war.
Im Gemeinderat war Riedle finanzpolitischer Sprecher. Um die Unterschiede der Buchungssysteme Doppik und Kameralistik kennen zu lernen, verglich er in seiner EDV die wichtigsten Zahlen nach beiden Systemen. Bei der Arbeit stellte sich ihm einmal die Frage, ob die Gewerbesteuer um fast 2 Millionen DM im Haushalt zu niedrig ausgewiesen worden war. Wenn die Befürchtung stimmte, dann wäre der Gemeinderat bei einer der wichtigsten Zahlen für Isny von der Stadtverwaltung falsch informiert worden!

Als auch seine weiteren Kontrollrechnungen den Fehler bestätigten, bat er im Gemeinderat um Aufklärung. Bürgermeister, Kämmerer Rist, Fraktionsvorsitzende und viel Gemeinderäte hielten das für vollkommen falsch und lehnten die Bitte ab. Auch der Landrat – als Aufsichtsbehörde – lehnte ab. Um das Problem zu lösen, beauftragte Riedle dann Prof. Dr. Dr. Püttner – die Autorität für das Problem in Baden-Württemberg – auf seine eigenen Kosten mit einem juristischen Gutachten. Prof. Püttner bestätigte die Kritik Riedles. Darauf konnte das Landratsamt nicht mehr verhindern, dass die Gemeindeprüfungsanstalt eingeschaltet wurde. Das Ergebnis,   versteckt hinter vielen anderen Berichten, wurde zwei Jahre später dem Bürgermeister übergeben: Erst auf die Nachfrage von GR Steiner, SPD, bestätigte Bürgermeister Behrning, dass laut Gemeindeprüfungsanstalt die Kritik von Riedle richtig gewesen war.
Riedle selbst hat den Bericht nie erhalten. Seine Bitte wurde vom Bürgermeister und Landratsamt abgelehnt, weil er inzwischen nicht mehr Mitglied des Gemeinderats wäre. (Dabei betraf der Bericht nur den Zeitraum seiner zehnjährigen Gemeinderatstätigkeit.)

Vorher hatte Riedle seine Absicht bestätigt, für eine dritte Gemeinderatsperiode zu kandidieren. Bei der Aufstellung der Kandidatenliste der CDU erklärte aber der Fraktionsvorsitzende S. Mechler überraschend, dass er und seine 4 Kollegen Dr. Sochor, Peter Dorn, Peter Manz und Bucher-Beuren nicht kandidieren werden, wenn Riedle wieder kandidieren würde. Natürlich hätte Riedle trotz dieser Intrige gegen die CDU antreten können. Die Folge wäre gewesen, dass die Partei kurz vor der Wahl gespalten worden wäre. Das musste die CDU schädigen. Als CDU-Mitglied – damals seit 42 Jahren - wollte Riedle das nicht verantworten. Er verzichtete auf die Kandidatur und wechselte von der CDU-Isny zum CDU-Kreisverband Ravensbu