Stiftung Dethleffs - der Kampf um die Bewahrung des Familienerbes

Fridel Dethleffs-Edelmann
Selbst im roten Kleid
Öl 1929, Nr_Freiburg 2000_062
WVZ: 152200

Kunst war seinen Eltern ein Anliegen, für Bernd Riedle war Kunst eine schöne Nebensache. Trotzdem besuchte er während seines Studiums der Betriebswirtschaft in München zusammen mit seinem Freund U. Grosse. fast jede Woche eine Kunstgalerie. Aber das war es dann auch. Die Kunstwerke von Fridel Dethleffs-Edelmann und von Ursula Dethleffs waren für ihn selten ein Thema: Die Gemälde seiner Tante Fridel waren damals noch politisch umstritten, zu Ursula war das Verhältnis verwandtschaftlich. Ulm war von Isny 90 km entfernt – das war damals weit. Man traf sich selten. Erst als er nach Isny umgezogen und von der Familie Dethleffs zu vielen Ausstellungen der SOB eingeladen wurde, öffnete sich sein Blick für Kunst viel weiter als bisher.

Seit 1994 ist Riedle für die Kunstsammlung Dethleffs verantwortlich – nach dem notariell beurkundeten Erbvertrag der Familie Dethleffs von 1961.
Das wichtigste Thema dieses Vertrags zwischen Arist, Fridel und Ursula war 1961 allerdings nicht die Kunst, sondern: legal Erbschaftssteuern für Tochter Ursula nach dem Tod der Eltern zu sparen. Vom Vermögen wurde deshalb in dem Vertrag der größte Teil auf Ursula überschrieben. Die Eltern behielten sich jedoch die Nutzung des Vermögens vor. Zusätzlich musste jede spätere Veränderung wie Schenkung, Stiftung usw. immer gemeinsam von den noch lebenden Familienmitgliedern beurkundet werden. Arist Dethleffs wie auch Ursula Dethleffs konnten nach dem Tod von F. Dethleffs-Edelmann (am 24. September 1982) nicht allein, sondern nur gemeinsam über das Vermögen der Familie bestimmen. Da Ursula zwei Jahre vor ihrem Vater am 07.Mai. 1994 starb, konnte sie allein keine rechtskräftige Stiftung mit dem Vermögen der Familie Dethleffs errichten.

Trotzdem wurde die totkranke Ursula Dethleffs bis zum 20.04.1994 von Beratern dazu bewogen, eine Stiftung mit wesentlichen Teilen des Familienvermögens notariell beurkunden zu lassen: die "Friedel Dethleffs-Edelmann und Ursula Dethleffs-Stiftung".

Für die Stiftung war eingetragen worden: als Vorstand nach Ursulas Tod Prof. Dr. Hans Hofstätter.
Als Beiräte waren eingetragen: der Vorstand Prof. Dr. Hofstätter, der damalige Isnyer Bürgermeister Manfred Behrning, Paul Rupf-Bolz, Reinhard Fritz, Dr. Gisela Lindner, Gertrud Küchle-Braun und Kurt Kimmich. Als Stiftungsvermögen waren die Werke von Mutter und Tochter Dethleffs sowie wesentliche Vermögensteile der Familie Dethleffs mit der falschen Begründung eingebracht worden, dass all das zum „Nachlass Ursula Dethleffs“ gehören würde. Dabei gab es statt des Nachlasses für Ursula nur einen Nachlass von Vater und Tochter in „Gesamthand“.

Ursula Dethleffs, Verzauberte Hexe
Relief-Holz, 1990
WVZ: 224046

Da Ursula - ihren Vetter Bernd Riedle – vor ihrem Tod notariell zum Testamentsvollstrecker berufen hatte, musste er prüfen lassen, ob die zahlreich angemeldeten, privaten Ansprüche an den „Nachlass Ursula Dethleffs“ rechtens wären. Von den Rechtsanwaltskanzlei Zeifang & Partner in Ravensburg wurde auf Grundlage des Erbvertrags von 1961 zusammen mit dem Stiftungsvertrag vom 20.04.1994 das Gutachten am 4. Mai 1994 erstellt. Das für Vorstand und Beirat der Stiftung überraschende, aber eindeutige Ergebnis war:

  1. Sämtliche Ansprüche auf Grund von Schenkungen usw. durch Ursula Dethleffs sind unwirksam, wenn sie nicht von ihrem Vater Arist Dethleffs notariell und damit schriftlich beurkundet worden waren oder von ihm nachträglich genehmigt wurden.
  2. Die Stiftung ist unwirksam – sie widerspricht dem seit 1961 gültigen, unveränderten Erbvertrag.

Die Stiftung musste vom Notar aufgehoben werden. 
Einsprüche des für Stiftungen zuständigen Regierungspräsidiums Tübingen gab es nicht

Einige Berater – vor allem Prof. Dr. Hans Hofstätter.- widersprachen heftig. Sie fragten: Hätte Riedle nicht - trotz des gültigen Erbvertrages - den widersprechenden Willen der todkranken Ursula Dethleffs erfüllen müssen? War der erblindete Arist Dethleffs nicht überfordert? Warum hat Riedle die Gründung der Stiftung ablehnen können?

Dabei hatte Riedle gar nichts abgelehnt. Abgelehnt hatte das Gericht - es stimmte dem Gutachten der Rechtsanwälte zu.

Das änderte aber nichts daran, dass einige „Honoratioren“ gegen Riedle Stimmung machten. Man glaubte wohl mit der Behauptung, er sei ein Erbschleicher, ihm doch noch die Zustimmung zur Stiftung aufdrängen zu können - so wie zuvor Ursula Dethleffs "beraten" worden war.
Weder eine Notiz noch eine Rechnung für Beratung über 50.000 DM wurde im Nachlass von Ursula Dethleffs gefunden. Sie war erst nach dem Tod von Ursula Dethleffs erstellt worden. Sie wurde trotzdem bezahlt, weil Arist Dethleffs erklärte: „Man soll dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul verbieten.“ Das bezog sich auf seinen Dank für wissenschaftliche Arbeiten. Dieses „Honorar“ wurde Arist Detheffs vom Empfänger nicht gedankt.

 

PS: Fridel Dethleffs-Edelmann und Ursula haben immer darauf bestanden, dass der Vorname "Fridel" und nicht wie üblich "Friedel" geschrieben wurde. Es ist deshalb für jeden Kriminologen völlig unverständlich, dass im Namen der Stiftung der Vorname falsch verwendet worden ist.