Einführung
in Leben und Arbeit
der beiden Künstlerinnen
Fridel Dethleffs-Edelmann:
geboren am 30. November 1899 in Hagsfeld-Karlsruhe
gestorben am 24. September 1982 in Isny im Allgäu
Am 30. November 1899 wurde Fridel Edelmann in Hagsfeld bei Karlsruhe geboren. Das Mädchen war das erste Kind von Hans und Luise Edelmann. Der Vater bewirtschaftete das Gasthaus „Zur Krone“ am Lindenplatz. Er brannte auch Schnaps und handelte erfolgreich mit Wein. Im gehörte ein kleines Landgut in Ottersweier bei Bühl.
Mit 14 schickten die Edelmanns ihre Tochter auf das evangelische Mädchenpensionat in Königsfeld im Schwarzwald. Humorvoll erzählte die Künstlerin später, dass sie wegen mangelnder Begabung von der ersten Lehrerin aus dem Zeichenunterricht ausgeschlossen worden war. Damals war das ihre größte Enttäuschung.
Stark - wie weibliche Wesen sein können - gab sie nicht auf. Sie wollte malen. Weil sie in der Schule nicht durfte, malte sie daheim – und ihre Eltern unterstützten sie. Die Gastwirtschaft der Eltern war eigentlich kein guter Nährboden für die Kunst. Doch die Eltern förderten die kindliche Malerei ihrer Tochter Fridel, wo sie nur konnten.
Die nächste Kunstlehrerin in der Schule schloss die kleine Fridel in ihr Herz. Danach blieb Fridel Edelmann der Kunst ihr Leben lang treu.
Später wurden ihr - wie allen anderen Künstlerinnen – noch grössere Steine in den Weg gelegt:
Bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts durfte keine Frau Kunst studieren - auch Fridel Edelmann war zuerst ausgeschlossen. Die Kunstakademien sollten den Männern vorbehalten bleiben. Das Vorurteil gegenüber Künstlerinnen hielt sich lange. Künstlerinnen wurden später toleriert, aber ihre Werke galten wenig. Deshalb wurden ihre Kunstwerke auch von Museen selten angekauft.
Nach harten Gefechten war Fridel Edelmann eine der ersten, die sich gegen die Vorurteile durchsetzen konnte. Zusammen mit einigen wenigen Freundinnen erkämpfte sie sich einen Studienplatz in Karlsruhe. Nach dem Studium wurde sie sogar Meisterschülerin als Assistentin ihres Professors. Sie wurde erfolgreich auf Ausstellungen und gewann Preise. Sie wurde bewundert.
Doch nach dem großen Erfolg kam ihr Absturz: Als Künstlerin war sie von der Kunstszene der Weimarer Republik gelobt und bewundert worden. Dieser akademische Stil wurde später von den Nazis als Deutsche Kunst okkupiert und ins Süßlich-Heldenhafte verfälscht.
Das war nicht ihr Stil. Doch beides hatte den gleichen Ursprung. Deshalb wurden ihre Werke auch von der offiziellen Deutschen Kunst anerkannt. Ihr Erfolg wuchs – sie wehrte sich nicht.
Nach 1945 kam dann der Sturz zusammen mit der Deutschen Kunst der Nazis.
Sie musste wieder von vorne anfangen. Einige ihrer Arbeiten zeigen ihre tastende Suche:
Fridel Dethleffs-Edelmann entwickelte auf ihrem Weg die eigenständige Verbindung von ihrer Altakademischen Kunst zu der Eruption nach dem 2. Weltkrieg. Mit feinen, farbigen Zeichnungen und kräftigen Collagen eroberte sie sich die Moderne.
Ihre wichtigste Erfahrung bei dieser Entwicklung war die Reise der Familie durch das kommunistische Russland während der Herrschaft des Generalsekretärs Breschnew.
Der Anstoß zu dieser weiten und gefahrvollen Reise war, dass die Familie Dethleffs von der russischen Literatur fasziniert war. Die Heimat dieser Dichter wollte sie kennen lernen.
In der UDSSR fand die Künstlerin die Liebe zur russischen Landschaft. Zu ihrer Endlosigkeit, zu den kleinen Dörfern, zu den armseligen Katen, die neben den riesigen LPGs vegetierten.
Das unter den Kommunisten verschlossene Russland öffnete sich einen Spalt. Der Kontakt mit der Bevölkerung war verboten. Sprachschwierigkeiten realisierten die Vorschrift der KPDSU:
In ihren Gemälden nach der Reise überwältigt die Schönheit der russischen Landschaft – die Menschen aber bleiben verborgen.
Der Erfolg kehrte in den letzten Lebensjahren zu Fridel Dethleffs-Edelmann zurück. Aber er schmeckte jetzt nicht mehr so süß – trotz vieler Ausstellungen und Artikel, trotz der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.
Ursula Dethleffs
geboren am 6. Juli 1933 in Ottersweier / Bühl-Baden
gestorben am 7. Mai 1994 in Isny im Allgäu
Ursulas Dethleffs wurde am 6. Juli 1933 in Ottersweier / Bühl-Baden geboren. Dort hatten ihre Großeltern Edelmann einen kleinen Hof besessen. Sie war das einzige Kind der Künstlerin Fridel Dethleffs-Edelmann und des Ingenieurs und späteren Fabrikanten Arist Dethleffs aus Isny im Allgäu.
1936 zog die junge Familie zusammen mit der Großmutter von Bühl nach Isny in das neue Haus am Stadtrand. Ursula erlebte eine unbeschwerte Jugend im Rheinland und danach im Allgäu.
1939, zu Beginn des 2. Weltkriegs, wurde sie in der Grundschule Isny angemeldet. Kurze Zeit später war ihre Mutter aber mit der Schule nicht mehr einverstanden. Sie meldete Ursula ab und stellte einen Hauslehrer ein.
Diese Entscheidung der Mutter hat Ursula lange im Stillen bedauert: Sie stand außerhalb. Denn viele Freundinnen hatten studiert, alle Freundinnen hatten zumindest einen Schulabschluss. Nur Ursula nicht.
Dafür wurde ihre künstlerische Entwicklung von Mutter und Vater wie bei kaum einem anderen Kind gefördert. Wissen und Erfahrung schenkte die Mutter ihrer Tochter. Der Vater sicherte die wirtschaftliche Basis für die große Bibliothek mit Kunstliteratur und für die unzähligen Reisen in die Museen Europas, Asiens, Japans und Amerikas.
Früh war Ursula erfolgreich – ihre Arbeiten wurden ausgestellt in vielen Städten. Sie zog als Wunderkind von einer Ausstellung zur anderen. Unbekannt blieb dabei, wie hart sie arbeiten musste. Wenn Freunde zu Besuch kamen, dann durfte Ursula zuhören, aber gleichzeitig musste sie üben: Zeichnen, Malen, Nähen usw. Keine Minute wollte die Mutter ungenützt verstreichen lassen. Ihre Devise war: zehn Prozent Muse – der Rest ist Fleiß.
Der Freundeskreis der Eltern war groß: Maler – so die Mitglieder der „Sezession Oberschwaben-Bodensee“ wie Ackermann, Dix, Ebell, Grieshaber, Mahler und viele andere. Musiker – der Vater war sehr musikalisch; Sänger und Musiker kamen nach Konzerten zu Besuch. Geistliche aus dem Allgäu, Landesbischof Wurm aus Stuttgart. Politiker – der Vater war der erste, evangelische Landesvorsitzende der CDU Württemberg-Hohenzollern. Viele Käufer der Dethleffs-Wohnwagen, die zu Freunden geworden waren wie der weltbekannte Clown und Musiker Grock oder der deutsche Botschafter in Ägypten usw.
Diese Vielfalt der Anregungen war für die Mutter entscheidend. Sie selbst hatte an einer einzigen Akademie studiert. Sie fühlte sich aus Dankbarkeit dem Stil dieser Akademie ihr Leben lang verpflichtet. Diese Eingleisigkeit wollte sie aber ihrer Tochter Ursula ersparen. Ursula sollte möglichst früh die Werke vieler Künstler kennen lernen. Ursula sollte bei vielen lernen – die Künstler öffneten sich Ursula und ließen sie an ihrem Werk teilhaben– aber kein einzelner durfte sie ganz für seinen Stil gewinnen.
Das galt im übertragenen Sinn auch für den Einfluss des anderen Geschlechts. Ursula war frei und offen erzogen worden. Die bürgerliche Enge kannte sie nicht. Die Offenheit führte dazu, dass sie nie geheiratet hat. Sie führte auch dazu, dass Ursula sich anscheinend nie wirklich frei gefühlt hat.
Der Vorteil der unbegrenzten Offenheit war entscheidend für die Fülle ihres Werkes. Es gibt wohl keine andere Künstlerin, die in so vielen unterschiedlichen Kunsttechniken meisterliche Werke geschaffen hat. Wer auf die vielen Seiten ihrer Werke in dieser Galerie klickt, der kann die immense Vielfalt ihrer Kunstwerke sofort selbst bewundern.
Ursula hat viele große Künstler kennen gelernt. Sie hat deren Kritik und Selbstkritik erfahren. Sie hat deren Ringen um die künstlerische Aussage erlebt. Einige spielten mit Mätzchen. Andere waren selbstverliebt. Keiner produzierte Gängiges für den Markt. Ursula Dethleffs hat gelernt, dass Vollendung immer anzustreben ist, aber nie erreicht werden kann. Sie blieb bei allen Erfolgen immer zurückhaltend, ja schüchtern. Daneben hat sie sich oft selbstlos für andere Künstler eingesetzt – das Vorbild war ihre Mutter.
Ihre Freunde blieben Ursula Dethleffs bis zum Ende treu. Trotzdem war ihr Lebensende nicht glücklich. Wegen ihres Tumors sollte sie operiert werden. Sie verschob den Eingriff, um ihre Freundin in Chile zu besuchen. Auf der Reise hat sie unendlich viele Kunstwerke fotografiert. Als sie zurückkam war der Tumor nicht mehr operabel. Ihr blinder Vater lebte im Altersheim – sie wusste, er wollte dort nicht sterben.
Ihre Kraft war aufgebraucht. Während einer Violin-Sonate von Bach, die ihr Freund Hans-Christian Hauser am Krankenbett spielte, ist sie entschlafen. Die Sonate hatte früher ihr Vater auf seiner Violine gespielt.
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Wir zeigen von beiden Künstlerinnen keine Auswahl, sondern die umfassende Palette ihrer Kunstwerke
Es ist der Wunsch jedes lebenden Künstlers, dass nur seine besten Arbeiten gezeigt werden. Dieser Wunsch ist bei lebenden Künstlern zu erfüllen. Nach ihrem Tode kann dem Kunstfreunde aber auch der Blick hinter die Kulissen gestattet werden. Neben der Qualität wird dann der Weg wichtig, der diese Höhepunkte des künstlerischen Schaffens erst möglich gemacht hat.
Die Familie Dethleffs war der Freiheit verpflichtet. Wir zeigen die ganze Spanne der Arbeiten von Fridel Dethleffs-Edelmann und von Ursula Dethleffs, damit jeder Sammler, jeder Kunstfreund sein eigenes Urteil frei treffen und sein Lieblingswerk entdecken kann.
Für die Familie Dethleffs: Bernd Riedle mit Familie
31.Juli 2009 |